RSS

Nehmen wir mal an, ich schreibe einen Entwicklungsroman mit fantastischen Zügen …

28 Aug

Lewe-Cosmos Petersen wälzt sich hin und her. Die Straßenlaterne spendet ein flackerndes Licht. „Obladi, Oblada, Oblada, Obladi”. Dieses Lied quält ihn zusammen mit dem flackernden Licht und dem Ausbleiben des Schlafes. Nein, solcherart Ohrwürmer mochte Lewe-Cosmos auch damals schon nicht. Und doch neigte er dazu, Worte und Liedfetzen wieder und wieder im Sinn zu bewegen, darüber in nachtwandlerisch tiefsinniger Weise nachzudenken. Mag sein, es hätte sinnvollere Grübeleien geben können. Mag sein, dadurch wurde sein Denken geschult. Es geschah halt. Und auch was er so am Tage von sich gegeben hatte, unterzog die Nacht nicht selten einer genauen Überprüfung, einer manchmal peinlichen Befragung.

Wie sollen wir seinen damaligen Zustand nachvollziehbar beschreiben? In Flensburg beispielsweise gab es ein WC auf dem Hausflur. Mit seinen dicken, kaum verputzten Mauern wirkte dieses wie eine alte Mönchszelle. Lewe-Cosmos Petersen dachte an diesen Tropfen Zeit, den unsere Zeit in der gesamten Zeit ausmacht. Gleichzeitig konnten ihm gefühlte Zeiten über Zeiten vergehen mit nur einem Gang zu diesem seltsamen WC im Hausflur eines Mietshauses in der Apenrader Straße, mit der halbwegs modernen Wasserspülung, aber mit groben Mauern wie in einem altertümlichen Verließ. So wie in dieser WC-Zelle war auch Lewe-Cosmos in sich selbst gefangen.

Übrigens las er ausgerechnet in jener düsteren Zeit „Des Teufels Elixiere“ von E.T.A. Hoffmann. Und er, der Werke dieses Autoren liebte, verabscheute dieses Buch (sah auch, dass manches daran etwas zu plump und durchschaubar geraten war), konnte aber dennoch die Lektüre nicht beenden. Es war eben seine Zeit, die Nachtseite des Menschen zu durchleuchten. Nur war es eben kein Spiel, sondern tiefe Existenzkrise. „The Angels live in me, sometimes, I feel them smile. The Killer live in me, yes, I can feel he move” – (oder so ähnlich) sangen Van der Graaf Generator. Als Lewe-Cosmos diesen Song das erste Mal hörte, bezweifelte er, dass in allen Menschen gleichermaßen Gutes wie Böses zu Hause sei. Nun aber spürte er ein Dunkles in sich, welches er der prügelnden dunklen Macht des Vaters in der Kindheit zuschrieb. Unter dem Einfluss dieser „Elixiere“ aber dachte er auch darüber nach, wie leicht doch eine böse Tat vollbracht zu sein scheint. „Nein, nein, eher täte ich mir selber etwas an!“, war er sich aber gleichzeitig sicher.

Advertisements
 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 28/08/2013 in Diverses

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: