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Ein altes Friesenhaus direkt an der dänischen Grenze

29 Aug

Rodenäs

Seine Uroma hatte auch dort gelebt. Aber was wusste er schon von der! Seltsamerweise fiel ihm, wenn er denn einmal an sie dachte, stets die Geschichte mit den Fliegen ein, welche eine im Hause lebende Urenkelin gerettet habe, indem sie diese nach draußen trug.

Eine Blume wuchs in dem zerbröselnden Mauerwerk eines alten Schuppens, der in der Nähe des Hauses in Rodenäs stand. In der alten Handpumpe davor hatte sich eine Bachstelze ihr Nest gebaut. Sie befestigten den Pumpenschwengel, damit nicht jemand nichts ahnend diesen betätige.

Diese Pumpe fotografierte Lewe-Cosmos oft. Sie verband wohl dieses Haus noch einmal auf besondere Weise mit dem Haus seiner Kindheit in Tarpfeld. Und dann dieser lustige wippende Vogel mit dem schwarzen Punkt auf der Brust, die Bachstelze.

Ein blau gestrichener Bauwagen stand am Rande des Rapsfeldes. Auch davon ist ein Foto erhalten. Ja, es ist durchaus nachvollziehbar, warum Lewe-Cosmos sich hier zu Hause fühlte, wenn er auch immer wusste, dass er dort nur vorübergehend sein werde. So war sein oft recht einsames Wohnen dort stets von ein wenig Melancholie durchzogen.

 

Er versuchte sich in dieser Zeit auch ein wenig mit einem kleinen Schwarz-Weiß-Fotolabor. In einem Sommer wohnte Helga aus dem Ruhrgebiet mit in dem Haus. Ja, und ein trinkfreudiger Ehemann, welcher von der Ehefrau des Hauses verwiesen worden war, hatte zur selben Zeit dort Unterschlupf gefunden. So lernte Lewe-Cosmos dann auch den Karikaturisten Petschkoff und den Achim Reichel, von dem alle versicherten, dass er trotz seiner Berühmtheit ganz natürlich geblieben sei, kennen.

Ja, Lewe-Cosmos mochte keine Zoten. Und wenn diese Bande in der Küche saß und Tee mit geelem Köm trank, jagte eine Zote, eine zweideutige Bemerkung die nächste. Tja und eine seltsame Art der Prüderie vielleicht („Ich will nicht immerzu Sexualität in alles hineinmischen! Will nicht mein Denken und Fühlen zu sehr davon bestimmen lassen!“) ließ Lewe-Cosmos für diese Leute nun zum Moralisten werden, der immer wieder voller Verachtung ihr Gerede abzuschütteln versuchte. Dabei waren durchaus auch einmal witzige Sprüche dabei.

Helga, die in ihn verliebt war und nicht zuletzt seinetwegen in dieses Haus, in diese Wohngemeinschaft gezogen war (was er, der Träumer, viel zu spät bemerkte), hatte ihm in der Dunkelkammer geholfen. Die Bande saß bester Laune in der Küche. „Haha, hast du jetzt eine Entwicklungshelferin?!“ Er versuchte weitere Bemerkungen, die aus diesem „ein Mann und eine Frau in der Dunkelkammer“ mehr zu machen versuchten, als er darin sehen wollte, abzuschütteln. Vielleicht lag auch darin eine Ursache für seine „Prüderie“: „Sie“ sollten nicht immerzu ganz normale Freundschaften zwischen Mann und Frau sexuell aufzuladen versuchen.

„Ach komm, nun stelle dich mal nicht so an! Ich habe da einen Text von dir gelesen, etwas mit einem Traum im Wasser. Also du bist auch kein Kostverächter!“

Nein, war er wohl nicht. Aber schon dieses Wort war ihm zuwider. Und oft gelang ihm eben doch diese klare Freundschaft zu Frauen. Selbst wenn er dann liebte und sie nicht, konnte er sich nach einer Weile abfinden und allein Freundschaft bestehen lassen.

 

Manchmal aber ging das eben schief, mussten erst kleine Katastrophen geschehen, bis die „reine Freundschaft“ die Oberhand gewann.

So schüttelte Lewe-Cosmos mit den zweideutigen Bemerkungen, die in Freundschaft hineinmischen wollten, was er nicht darin sah, wohl auch manches Mal das Wissen ab, dass doch mehr darin lag, als er sehen wollte.

 

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Verfasst von - 29/08/2013 in Diverses

 

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